Aller paar Wochen überkommt es mich, doch einmal wieder kurz bei Kopp-Info hineinzuschauen – dem Fachmagazin für Verschwörungstheorien aller Bedarfsrichtungen. Gestern war dort wieder mal ein echtes Highlight zu finden: „Neue Forschungen der NASA deuten auf mögliche Verbindung zwischen HAARP und Erdbeben/Tsunami in Japan hin“.
Kurz gesagt: Geheime Mächte in den USA haben (unter Umständen … eventuell … vielleicht …) mit der geheimen Strahlenwaffe HAARP im fernen Alaska das Erdbeben in Japan ausgelöst. HAARP mal wieder! Hm … lohnt es sich, die Details auseinanderzunehmen, um nachzuweisen, warum das Blödsinn ist? Es geht schon damit los, dass hier einfach elektromagnetische Wellen mit mechanischen Wellen gleichgesetzt werden und in diesem Atemzug lapidar behauptet wird, eine elektromagnetische Schwingung von 2,5 Hz sei „zufällig genau dieselbe Frequenz wie die natürliche Resonanz, die ein Erdbeben hervorruft“. Wer ein Minimum an physikalischen Kenntnissen hat, wird kurz abschätzen, welche Energie notwendig wäre, um „Erschütterungen an seismischen Bruchlinien“ auszulösen und wie viele Kraftwerke man benötigen würde, um entsprechend viel Energie erst einmal in die Atmosphäre abstrahlen zu können. Man könnte sagen: Das kommt leider dabei heraus, wenn man als Schüler Physik und andere naturwissenschaftliche Fächer abwählen kann. Aber Banalitäten wie der Energieerhaltungssatz gelten im Verschwörungstheoretiker-Milieu anscheinend ohnehin nicht. Mit HAARP wurde 2010 übrigens auch das Erdbeben in Port-au-Prince (Haiti) ausgelöst (siehe hier, letzter Absatz)
Man könnte sich auch fragen: Was – um Himmels Willen – hätten die Amerikaner davon, ein Erdbeben in Japan auszulösen? Zumal dort bekanntlich sehr viele Atomkraftwerke stehen, die bei einem GAU ihre Emissionen immerhin über dem Nord-Pazifik verbreiten könnten, möglicherweise bis hin zur USA selbst. Doch solche simplen Fragen sind für Verschwörungstheorie-Fans indiskutabel. Und der Autor des Artikels (Ethan A. Huff) ist inzwischen sowieso schon einen Schritt weiter: Seit heute war es bereits ein Atomwaffenangriff, der das Kernkraftwerk Fukushima zerstörte. Sicher wieder ein sehr unterhaltsamer Artikel, Herr Huff, aber leider habe ich ihn mir dann doch nicht weiter durchgelesen. Immerhin war es – trotz gestriger wissenschaftlicher Beweise – nun anscheinend doch nicht mehr HAARP.
Wer sich dafür interessiert, was es mit der geheimnisvollen HAARP-Anlage wirklich auf sich hat, dem sei dieser Artikel empfohlen: HAARP: Erdbebenwaffe, Gedankenkontrolle – oder ganz normale Wissenschaft? - aber der Autor ist garantiert von der CIA gekauft …
Das Bedenkliche daran ist nicht, dass derartiger Schwachsinn im Netz verbreitet wird, sondern dass damit offensichtlich ein komplettes Marktsegment von Lesern bedient wird. Es scheint Menschen zu geben, die gierig nach solchen Geschichten sind und das mehr oder weniger ernst nehmen. Solange es Bedarf gibt, wird es auch Autoren geben, die sich immer wieder entsprechende Sachen aus den Fingern saugen – Angebot und Nachfrage! Schuld an dieser Verblödung sind die Leser selbst.
Insofern habe ich sogar etwas Verständnis für die Autoren, denn wenn man naturwissenschaftliche Kenntnisse und Logik über Bord wirft, kann man sicher selbst viel Spaß beim Schreiben haben.

