Eigentlich dürften Mauereidechsen (Podarcis muralis) in Sachsen überhaupt nicht vorkommen. Man findet diese wärmeliebenden Echsen hauptsächlich am Mittelmeer. In nördlicher Richtung breiteten sie sich etwa bis nach Ungarn und in die Slowakei aus, westlich der Alpen gelangten sie bis nach Südwestdeutschland.

(Quelle: DGHT (1) )
Ob irgendwann einem Dresdner Terrarianer einige Tiere entwischten oder ob bei einem Warentransport aus Italien ein paar Eidechsen mit in einer Kiste saßen, wird sich wohl kaum noch klären lassen, aber Mauereidechsen leben in Dresden schon lange im Bereich der Grundstraße. Genetische Untersuchungen ergaben, dass die Tiere ursprünglich aus Italien stammten. Erstmalig von Fachleuten erwähnt wurde dieses Vorkommen, als bei Rainer König einige herpetologisch interessierte Besucher im Garten mit anwesend waren und dort plötzlich eine Mauereidechse auftauchte. Nachforschungen ergaben dann, dass Anwohnern das Vorhandensein dieser Tiere schon lange bekannt war. Da ihnen Eidechsen wohl als etwas zu Selbstverständliches erschienen, hatte sich niemand weiter damit beschäftigt. An der Grundstraße findet man die Echsen allerdings nur auf der nördlichen Straßenseite. Bisher wurden noch keine Tiere auf der Südseite gefunden, was sicher daran liegt, dass es dort zu schattig ist. Aus diesem Grund konnten sich die Tiere wahrscheinlich auch noch nicht bis auf den südlicheren Elbhang ausbreiten (von da liegen noch keine Nachweise vor).
Kürzlich wurde ich durch einen Blog-Artikel auf ein neues Vorkommen aufmerksam gemacht. Der Autor gab den genauen Fundort nicht mit an, um – wie er schrieb – Eidechsenfängern keine Chance zu geben. Allerdings teilte er ihn freundlicherweise mir mit. Heute Vormittag untersuchte ich das Areal in einem größeren Radius. Und ich stellte dabei fest, dass es gar keinen Sinn hat, diesen Fund geheim halten zu wollen, weil es nur eine Frage der Zeit ist, bis es jemandem auffällt. Ich habe dort so viele Mauereidechsen gefunden, dass ich zum Schluss mit dem Fotografieren und dem Zählen aufhörte. Um es kurz zu machen: Wer an der Elbe zwischen Blauem Wunder und Waldschlösschenbrücke den Körnerweg entlang geht und dort Eidechsen sieht, hat höchstwahrscheinlich Mauereidechsen vor sich. Die Tiere haben sich wirklich sehr ausgebreitet, immerhin ist der Biotop mit seiner Südlage auch optimal für sie. Am häufigsten waren sie unterhalb der Schlösser Albrechtsberg und Eckberg (eine fand ich auch im Gelände von Schloss Albrechtsberg). Ich wette, dass sie bald auch noch weiter vordringen. Mich würde es nicht wundern, wenn sie bald in der Neustadt am Carusufer zu sehen sind. Und irgendwann schaffen sie es bestimmt auch noch den Elbhang entlang bis nach Pillnitz.
Darf man diese Tiere eigentlich fangen und mit nach Hause nehmen, wenn sie doch gar nicht einheimisch sind? Nein, darf man nicht. Wie alle anderen europäischen Reptilien steht auch die Mauereidechse unter Schutz – egal ob sie als gebietsfremde („allochthone“) Art vorkommt oder nicht. Abgesehen davon sollte man die Tiere bei solchen Haltungswünschen einfach nur einmal vor Ort beobachten und sich fragen, ob man ein ausreichend großes Terrarium anbieten kann, in dem diese Tiere ihren Bewegungsdrang ausleben können? Als Dresdner Mauereidechsen-Fan kann man statt dessen jederzeit wieder zum Körnerweg kommen und die Tiere vor Ort beobachten. Das ist viel interessanter. Und wer unbedingt trotzdem welche halten will, kann sich in der Dresdner DGHT-Gruppe bei Fachleuten erkundigen, wie das doch legal möglich ist und was bei der Haltung beachtet werden sollte.
Übrigens: Mauereidechsen sind momentan sogar Reptil des Jahres!
(1) DGHT: Reptil des Jahres 2011: Die Mauereidechse
(2) Ein Bericht über die Mauereidechsen der Grundstraße mit einigen weiteren Infos und Fotos









Oh, die Tiere haben so eine grandiose Färbung und eine ausgesprochen hübsche Kopfform, fast Drachenartig. Da wird es wohl nicht lange dauern, bis ich denen mal einen zurückhaltenden Besuch abstatte und mich von ihrer Art verzaubern lasse….
Ich mag Reptilien einfach! Und die heimischen/heimisch gewordenen faszinieren mich immer wieder. Das liegt vermutlich daran, dass ich selbst welche halte, die in unseren Breitengraden keinen Meter überlebene würden und daher weiß, welche Anforderungen solche Tiere haben und welche Umstände sie brauchen.
Schön, es kommt mir fast so vor, als würde die Natur sich immer wieder ein kleines Stückchen Erde zurück erobern und es gäbe weniger Zerstörungswut von Menschenhand. Hoffentlich geht es so positiv weiter.
Danke Frank, dass du dein Wissen hier immer kund tust
Naja, das mit der “Zerstörungswut durch Menschenhand” ist schon richtig. Allerdings ist es, ehrlich gesagt, auch nur die halbe Wahrheit: Viele Biotope für Amphibien und Reptilien entstanden überhaupt erst durch menschliche Aktivitäten: Die Weinbergmauern und ehemalige Mühlenteiche der Dresdner Elbhänge sind solche Beispiele, in der Lausitz würde es wahrscheinlich weniger Unken, Laubfrösche, Ringelnattern usw. geben wenn die bewirtschafteten Fischteiche nicht vorhanden wären, durch Bahndämme und Waldschneisen entstanden Lebensräume für Reptilien, in Kies- und Lehmgruben laichen oft Amphibien, Gartenteiche sind Laichgewässer … der drastischste Fall sind die Braunkohletagebaue. Durch diese finden Kreuz- und Wechselkröten ideale Lebensräume (während andere Tiere ihren logischerweise verlieren). Manchmal fragt man sich dann, wo die Viecher eigentlich früher gelebt haben, als Mitteleuropa noch von großen Waldgebieten bedeckt war. Als Antwort kommt dann meist: In den größeren Flussauen! Das sind insgesamt aber keine allzugroßen Flächen. Insofern haben wir Menschen unbeabsichtigt auch einige positive Dinge angestellt und ich bin allmählich etwas vorsichtiger geworden, immer gleich mit Kritik zu kommen, wenn wieder einmal irgendwo etwas gebaut werden soll. Aber gegen diesen allgemeinen “Beton drauf!”-Wahn bin ich schon noch.
Bei den Dresdner Mauereidechsen könnte man ganz konkret sagen, dass es gut für sie wäre, wenn nicht zuviele Pflanzen an den Mauern entfernt würden und wenn offene Mauerfugen nicht repariert werden. Andererseits stimmt das auch wieder nicht, denn gelegentlich zu starken Pflanzenwuchs zu entfernen, schafft wiederum für die Tiere neue Sonnplätze und die Mauern müssen durchaus gelegentlich repariert werden. Immerhin wurden sie nicht für die Echsen geschaffen, sondern für Menschen. Die Echsen sind ja nur Kulturfolger. Und die finden in diesem konkreten Bereich schon immer wieder was neues, falls einmal irgendwo Reparaturen stattfinden.